Ein Grund zum Feiern: 200. Geburtstag von Carl Zeiss

9. Sep 2016 2223

Carl Zeiss wurde am 11. September 1816 in Weimar geboren. Dreißig Jahre später begann er in seiner kleinen Feinmechanikerwerkstatt in Jena Mikroskope herzustellen. Gemeinsam mit Ernst Abbe gelang es ihm den Mikroskopbau auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen und die Grundlagen der modernen Optik zu schaffen. Zusammen entwickelten die beiden Pioniere viele optische Instrumente und legten den Grundstein für das heute weltweit agierende Unternehmen Carl Zeiss.

Die Leidenschaft für Präzision prägte die Arbeit von Carl Zeiss und so baute er sich in kürzester Zeit einen Kundenkreis auf, dessen wissenschaftliche Geräte und Instrumente er instand hielt oder diese nach deren Vorgaben anfertigte. Sein Wirken und das von ihm gegründete Unternehmen, brachten der Stadt Jena einen internationalen Ruf als Zentrum für Optik und Photonik.

Carl Zeiss - Sein Leben vor der Firmengründung

Carl Zeiss um 1850Weimar galt zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Wiege der deutschen Kultur - dem Ort der Dichter und Denker. Tatsächlich war Weimar aber viel eher eine Stadt von Handwerkern. Sie machten einen Großteil der lokalen Wirtschaftsleistung aus. Hier wurde Carl Zeiss am 11. September 1816 als Sohn von Friederike Zeiss und dem Hofdrechselmeister August Zeiss geboren.

Während in Weimar die Herstellung von Luxusgütern florierte, besaß Jena neben der angesehenen Universität eine große Bandbreite an technischen Betrieben wie Kupferschmieden, Uhrmacher- und Mechanikerwerkstätten, die zum Teil von Aufträgen mit wissenschaftlichem Bezug lebten. Aus diesem Grund entschloss sich der junge Carl im Alter von 18 Jahren dort ins Arbeitsleben einzusteigen. Nach der Ausbildung und Wanderzeit, beschloss der gebürtige Weimarer sich im Umfeld der Universität Jena als Mechaniker, Techniker und Entwickler selbständig zu machen. Am 19. November 1846 erteilte die Landesdirektion in Weimar Zeiss die Konzession für sein Unternehmen und informierte den Jenaer Stadtrat. Am 26. November erhielt Zeiss die entsprechende Mitteilung von ihm und am 8. Dezember wurde er Bürger von Jena. So baute er anfangs nach Kundenwunsch hochwertige Mikroskope in Einzelanfertigung.

Kurz darauf stellte Carl Zeiss seinen ersten Mitarbeiter August Löber (1830 - 1912) ein. Löber sollte zugleich auch einer der wichtigsten werden. In seinen 44 Jahren Firmenzugehörigkeit wurde Löber von der Hilfskraft zum Werkmeister, zum Leiter der Fertigung und schließlich zum wichtigsten Ausbilder der neuen Mitarbeiter. Neben Löber hatten besonders zwei Kollegen in der Entwicklung entscheidenden Einfluss auf Zeiss und seine Firma.

Das Wohnhaus von Carl Zeiss in Jena  | Offensichtlich Optiker Berlin
Ein Zeiss Präpariermikroskop von 1847  | Offensichtlich Optiker Berlin
Zeiss Erste Zeiss Werkstatt in Jena1846 | Offensichtlich Optiker Berlin

Ernst Abbe und Otto Schott - zwei entscheidende Wegbegleiter

Dr Ernst AbbeIm Jahr 1866 begann Carl Zeiss die Zusammenarbeit mit Dr. Ernst Abbe. Der aus Eisenach stammende Physiker war zunächst für die Entwicklung von Messgeräten verantwortlich, die die optische Qualität und die Fertigung der Zeiss Linsen sichern und verbessern sollten. Zu diesem Zeitpunkt gab noch keine verlässliche Kalkulation für Linsen. Die Linsensysteme wurden lediglich durch viel Erfahrung und pröbeln (ausprobieren) zusammengesetzt. Da die Mikroskopsysteme so für die hohen Ansprüche des Perfektionisten Carl Zeiss nicht ausreichend gut reproduzierbar waren, beauftragte er Abbe mit der Lösung des hochkomplexen Problems.

Dieser beschäftigte sich von nun an mit der Berechnung der Objektivlinsen, was zu seiner Theorie der Bildentstehung im Mikroskop sowie zur Berechnung des maximal erreichbaren mikroskopischen Auflösungsvermögens führte. Nur sechs Jahre nach dem Beginn der Zusammenarbeit wurden sämtliche Objektive ausschließlich nach den Berechnungen Abbes konstruiert und Ernst Abbe 1876 zum Teilhaber der Firma.

Otto Schott Einen weiteren entscheidenden Entwicklungsschritt machte Zeiss durch die Zusammenarbeit mit dem jungen Chemiker Otto Schott (1851 - 1935), der eine neue Sorte Glas entwickelte. Um die Möglichkeiten der neuen Materialien genauer erforschen zu können, wurde 1882 ein eigenes glastechnisches Laboratorium in Jena erbaut - die finanziellen Mittel dafür lieferte Zeiss. Schnell erzielte Schott, gemeinsam mit Abbe, beeindruckende Fortschritte. Er verbesserte die Eigenschaften des Glases, ermöglichte eine bessere Reproduzierbarkeit und konnte erstmals größere Proben ohne Verunreinigungen oder innere Spannungen herstellen. Daraus folgte, dass schon ein Jahr später die ersten Mikroskopobjektive aus dem neuen “Schott Glas” hergestellt wurden. Die sogenannten Apochromate, die auf den Berechnungen von Abbe beruhten, waren zu Ihrer Zeit bahnbrechend und zeigten auf, wozu Zeiss, Abbe und Schott im Stande waren. Aus diesem Erfolg erwuchs im Jahre 1885 die Firma “Jenaer Glaswerke Schott & Genossen”.

Aufbruch ins 20. Jahrhundert

Carl Zeiss, Postkarte der Optische-Werkstatt Jena 1896Die neuen, hochpräzisen Zeiss Objektive auf Basis mathematischer Berechnungen und gemeinschaftlicher Forschung wurden von Unternehmen aus aller Welt angefragt. So fanden die damit ausgestatteten Mikroskope ihren Weg unter anderem zu Medizinern, Hygienikern und Werkstoffprüfern. Die Firma Zeiss erkannte das enorme Potenzial ihrer Optiken und verbaute die Linsen folglich auch in Ferngläsern, Teleskopen und Fotoobjektiven. Auf vielen optischen Geräten aus dieser Zeit fand sich somit der Name Zeiss. Auch Brillen bot Zeiss in seinem Laden an. 1886 verkaufte das Jenaer Unternehmen bereits sein 10.000 Mikroskop. Leider erlebte Gründer Carl diese Zeit des Aufstiegs nicht mehr mit. Im Alter von 72 Jahren, erlag er am 3. Dezember 1888 den Folgen eines Schlaganfalls.

Dank des soliden und fortschrittlichen Fundaments der Firma Zeiss entwickelte sich das Unternehmen stetig weiter und ist bis heute ein Vorreiter auf dem Gebiet hochwertiger Optiken - das markante blaue Firmenlogo findet man auch heute auf vielen Geräten in der ganzen Welt.

Carl Zeiss - Vom Handwerker zum Unternehmer

Das Video zum Jubiläum

Mehr zum weiteren Werdegang der Firma Carl Zeiss, den Umbrüchen im ersten und zweiten Weltkrieg, während der Deutschen Teilung und der weiteren Entwicklung revolutionärer Produkte, erfahren Sie im zweiten Teil unseres 200 Jahre Carl Zeiss Spezials.

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© Bildmaterial

Das Bildermaterial zu diesem Artikel wurde von Zeiss Deutschland zur Verfügung gestellt.
Bild: Brillengläser | Carl Zeiss & Photograf Lars Müller

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