Brillen auf Rezept zum Nulltarif?

27. Feb 2017 1200

Viele Medien haben bereits darüber berichtet - künftig sollen Brillenkäufer unter bestimmten Voraussetzungen wieder von der Gesetzlichen Krankenkasse unterstützt werden. Wer mehr als sechs Dioptrien kurz- oder weitsichtig ist oder eine Hornhautverkrümmung über vier Dioptrien hat, bekommt seine Brille nun von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wieder bezuschusst.

Was die konkreten Auswirkungen der Gesetzesänderung betrifft, gibt es aber noch keine genaueren Informationen.

Brille auf Rezept - wie waren die Regelungen bisher?

Bis 2003 hatten noch alle gesetzlich Versicherten mit einer Fehlsichtigkeit einen Anspruch auf ein Brillen-Rezept. Seit der Reform der Kassensysteme 2003 gilt jedoch für Erwachsene: Nur wer auch mit Sehhilfe1 eine Sehleistung unter 30% erreicht, erhält Unterstützung durch die Krankenkasse. Außerdem haben Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr Anspruch auf Unterstützung durch die Krankenkasse.

Neues Gesetz: Brillen bald wieder auf Rezept

Nun will die Bundesregierung die Ausnahmeregelung für einen Leistungsanspruch auf Brillengläser wieder erweitert und oben genannten Versicherten einen Anspruch auf Kostenübernahme in Höhe des vom GKV-Spitzenverband2 festgelegten Festbetrags bzw. des von ihrer Krankenkasse vereinbarten Vertragspreises gewähren. Wie hoch dieser konkret ausfällt lässt sich aktuell noch nicht genau sagen, da die aktuellen Zuzahlungen aus dem Jahr 1997 bzw. 2008 stammen und somit inzwischen stark veraltet sind.

Eins lässt sich für die Zukunft jedoch befürchten - der Terminmangel in den Augenarztpraxisen wird sich wohl so schnell nicht verbessern.

Christoph Hinnenberg, Vertriebsleiter der Carl Zeiss Vision GmbH meint dazu folgerichtig:

Für viele Verbraucher sind Augenärzte die Experten für die Augengesundheit – und Augenoptiker die Experten für die Augenglasbestimmung und den Brillenkauf. Wenn es den Zuschuss nur gegen Verordnung vom Augenarzt gibt, kann es sein, dass sich Verbraucher für eine neue Brille eben erst an den Augenoptiker wenden, wenn sie zuvor beim Augenarzt waren. Einen Termin beim Arzt gibt es oft erst nach längerer Wartezeit, nicht wie beim Optiker auch sehr kurzfristig. Das könnte dazu führen, dass Verbraucher viel Zeit verstreichen lassen, bevor sie eine neue Brille kaufen. Und das ist nicht im Sinne einer guten und zeitgemäßen augenoptischen Versorgung – gerade für Brillenträger mit höherem Korrekturbedarf. Christoph Hinnenberg / Carl Zeiss Vision GmbH

Wer wird zukünftig Anspruch auf Kassenleistungen haben:

  • Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre (weiterhin)
  • Brillenträger mit mehr als 6 dpt
  • Brillenträger mit mehr als 4 dpt Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)

Wie hoch wird die Zuzahlung der Krankenkasse für eine Brille?

Wie hoch genau die Zuzahlung zu den Brillengläsern oder die Brillenfassung genau sein wird lässt sich momentan noch nicht sagen. Ausgehend von den am 1. März 2008 in Kraft getretenen Festbeträgen für Sehhilfen kann in etwa mit folgenden Zuzahlungen gerechnet werden:

  • sphärischen Einstärkengläser mit bis +/- 6 dpt = 10,00 EUR / je Brillenglas
    (max. 39,19 EUR je Glas bei +/- 16 dpt)
  • torische Einstärkengläser mit cyl +4,0 dpt = 14,43 bis 17,49 EUR / je Brillenglas
    (max. 53,19 EUR je Glas bei +/- 16 dpt mit cyl +/- 4,0 dpt)

Brillenträger, die auch eine Unterstützung im Nahbereich benötigen, können im Falle einer Verschreibung über Trifokal (Dreistärken) Brillengläsern mit folgender Zuzahlung rechnen:

  • sphärische Dreistärkengläser mit bis +/- 6 dpt = 53,45 bis 73 EUR / je Brillenglas
    (max. 88,02 EUR je Glas bei +/- 8 dpt)
  • torische Dreistärkengläser mit cyl +4,0 dpt = 65,12 bis 83,57 EUR / je Brillenglas
    (max. 97,74 EUR je Glas bei +/- 8 dpt mit cyl +/- 4,0 dpt)

Ob und inwieweit es zukünftig eine Zuzahlung zum Brillengestell geben wird, ist aktuell nicht bekannt. Gleiches gilt für die Versorgung mit Kontaktlinsen. Den Link zur vollständigen Liste finden Sie am Ende des Artikels.

Unser Fazit: Neuregelung zur Brille auf Rezept

OS 2017 02 27 gkv brillenrezept wikipediaDie oben aufgeführten Beispiele aus der noch aktuellen Liste der Festbeträge zeigen das ungefähre Verhältnis der künfitigen Zuzahlungen. Berücksichtigt man den recht hohen Korrektionsbedarf der Brillenträger mit mindestens +/- 6 Dioptrien und/oder +/- 4 Dioptrien Hornhautverkrümmung der zu grunde liegt um eine Zuzahlung der Krankenkassen zur Brille bekommen, so ist dieser Betrag auch weiterhin lediglich ein Zuschuss, möchte man etwas mehr als nur die absolute Grundversorgung.

Wir gehen davon aus, dass die Neuregelung der Zuzahlung der Krankenkassen in jedem Fall wieder eine Grundversorgung mit den einfachsten Gläsern zumNulltarif” möglich machen wird. Besonders Brillenträger mit einem geringeren Einkommen können auf diese Weise endlich wieder etwas für Ihre Augen tun. Dieser Umstand hat bei Brillengläsern mit +/- 6 Dioptrien und mehr einen wesentlichen Einfluss auf die Lebensqualität. Daher bergüßen wir diesen Punkt sehr!

Spannend wird noch die Antwort auf die Frage der Zuzahlung zur Brillenfassung und Kontaktlinsen sein.

Sowie wir Neues erfahren, werden wir Sie wie immer in unserem Blog oder über unseren Newsletter informieren.

Unsere Linktipps zum Thema:

 
  1. Personen mit einer Sehleistung von 30% mit Brille (!), ist es mit Mühe möglich größere Überschriften der Tageszeitungen zu lesen.
  2. Der GKV-Spitzenverband (der Verband Gesetzlichen Krankenversicherung) ist die zentrale Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland und auf europäischer sowie internationaler Ebene.

Fragen Sie uns!

Haben Sie Fragen zu unserem Beitrag oder zur Augenoptik allgemein? Schreiben Sie uns! Gerne auch einfach hier in den Kommentaren oder über unser Kontaktformular.

     

Diplom Augenoptikerin / Optometristin

zum ausführlichen Profil Jana Ropertz

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3 Kommentare

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    Michaela Lange
    06. März 2017 Michaela Lange

    Also ganz ehrlich,die Krankenkassen sollten sich was schämen, pro Glas 10 Euro dazuzahlen zu wollen! Das ist blanke Verarsche! Das sind gerade mal 5 % was diese Gläser am Ende kosten! Auf die 20 Euro kann man dann auch verzichten!!

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    Elke-Petra Frisch
    06. März 2017 Elke-Petra Frisch

    Das ist wie Almosen verlangen! Ich bezahle nur für Gläser 500 Euro und mehr.

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    Offensichtlich
    06. März 2017 Offensichtlich

    Hallo Michaela, Hallo Elke,
    ja die Zuzahlung ist tatsächlich nicht sehr hoch. Wie in unserem Fazit zum Artikel geschrieben, soll die Versorgung der Krankenkassen mit Heil- und Hilfsmitteln eine Grundversorgung darstellen. Auch sind die Beträge der tatsächlichen Zuzahlung noch nicht bekannt. Richtig ist, dass die Kosten für ein hochwertiges dünnes und voll veredeltes Brillenglas voraussichtlich nicht abgedeckt sein werden.

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